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Geschichte

 

Ursprünglich bestand Bosnien-Herzegowina aus zwei Regionen. Im Norden liegt Bosnien, während sich im Süden die Herzegowina erstreckt. Wenn man die Geschichte des Landes betrachten möchte, ist es sinnvoll, diese historische Unterscheidung zu kennen. Die ersten nachweislichen Bewohner dieser Region waren die Illyrer, die schon in der Bronzezeit hier siedelten und vor allem Viehzucht und Ackerbau betrieben. Im 3. Jahrhundert expandierte das Römische Weltreich und gelangte so auch auf den Balkan. Im Jahr 229 vor Christus kam es dann zum römisch-illyrischen Krieg, und die Römer gliederten die Küstengebiete ein. Unter Kaiser Augustus  wurde ganz Illyrien unterworfen, und die neue Grenze des Reichs bildete die Donau.

Dieses Machtgefüge geriet allerdings Jahrhunderte später ins Schwanken, als die Völkerwanderung zunehmend Druck auf die Grenzen ausübte. Diese neue Epoche begann 376, als die Westgoten die Donaugrenze überschritten und in das Römische Reich eindrangen. Im Zuge dieser Entwicklung verloren die Römer immer mehr Einfluss auf dem Balkan, und sogar die Hunnen konnten hier wüten. Die Verhältnisse begannen sich wieder zu stabilisieren, als der Kaiser des Oströmischen Reiches Justinian I. die Gebiete um Bosnien in sein Reich eingliedern konnte. Später tauchten dann die Awaren auf, die auf dem Boden des Oströmischen Reiches angesiedelt wurden und hier den Weg für eine Slawisierung des Balkans ebneten.

Bis zum 9. Jahrhundert vollzog sich die Landnahme der Slawen auf dem Balkan, die dann auch Bosnien einnahmen. Es bildeten sich daraufhin die ersten serbischen und kroatischen Fürstentümer, die die Herrschaftslage jedoch nicht dauerhaft stabilisieren konnten. Erst unter Ban Boric im Jahr 1154 entwickelte sich Bosnien zu einem halbautonomen Fürstentum, welches jedoch an die ungarische Krone gebunden war. Doch die Zeit der Wirren war noch nicht vorüber. Kurzzeitig konnten die Byzantiner die Region unter ihre Kontrolle bringen, doch stieg in dieser Zeit Ban Kulin zum Herrscher Bosniens auf, vertrieb die Eindringlinge und bescherte Bosnien ein goldenes Zeitalter. Das Mittelalter war geprägt von verschiedenen Machtwechseln, und eine dauerhafte politische Stabilisierung konnten die damaligen bosnischen Könige selbst nicht erreichen.

Im Süden begannen im 15. Jahrhundert die Osmanen ihre Expansion und zur Mitte des Jahrhunderts erreichten diese das bosnische Kerngebiet. Die europäische Grenze dieses Grossreiches war nun bis zur Save ausgedehnt, und viele muslimische Bürger wurden zur politischen Stabilisierung angesiedelt. Im 18. Jahrhundert wurde dann der kulturelle und ökonomische Niedergang der Osmanen eingeleitet, und auch Bosnien geriet zunehmend in diesen Sog. Daraufhin wurden die Provinzen Bosnien und Herzegowina 1878 unter die Verwaltung Österreich-Ungarns gestellt, auch wenn sie offiziell noch bis 1908 ein fester Bestandteil des Osmanischen Reichs waren. In diesem Jahr kam es zur Annexion durch die k.u.k. Monarchie, die in der Bosnischen Annexionskrise gipfelte, die sich daraufhin zu einer gesamteuropäischen Krise ausweitete. Im Schicksalsjahr 1914 kam es in Sarajevo zu einem Attentat auf Franz Ferdinand, und damit begann eines der blutigsten Kapitel der Weltgeschichte – der Erste Weltkrieg.

Nach diesem epochalen Konflikt wurde 1918 Jugoslawien aus der Taufe gehoben, und Bosnien-Herzegowina war ein wichtiger Teil dieses Bundes. Selten konnte sich dieser Vielvölkerstaat einig werden, und so kam es zwischen den beiden Weltkriegen zu verschiedenen Staatskrisen. Im Zweiten Weltkrieg erklärte das Deutsche Reich 1941 Jugoslawien den Krieg, und innerhalb weniger Tage zerfiel dieses Staatenbündnis. Daraufhin wurde aus Kroatien und Bosnien-Herzegowina ein faschistischer Vasallenstaat gegründet, der bis 1945 Bestand hatte. Schon während des Krieges trafen die jugoslawischen Partisanen Vorbereitungen, um nach dem Krieg eine neue kommunistische Föderation zu gründen. So kam es 1945 zur Gründung der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien, nachdem Josip Broz Tito und die kommunistische Volksfront die Wahlen gewonnen hatten. Bosnien-Herzegowina war Teil dieser sozialistischen Verfassung und eine der wichtigsten Teilrepubliken.

Ab den 1960er Jahren kam es dann wieder zunehmend zu politischen Unstimmigkeiten zwischen den Bevölkerungsgruppen, und als in den 1990er Jahren die Wende eingeleitet wurde, kam es zum Zerfall des Vielvölkerstaates. Im Jahr 1991 wurden in den meisten Teilrepubliken Wahlen bezüglich der zukünftigen Souveränität abgehalten. Alle Staaten sprachen sich für die Unabhängigkeit aus, und in Bosnien-Herzegowina stimmten über 90% der Einwohner für eine Abspaltung von den anderen Staaten. Serbien jedoch versuchte diese Abspaltungsbemühungen zu verhindern und so intervenierte sie in Slowenien und in Kroatien. Die Kampfhandlungen verschoben sich innerhalb kürzester Zeit nach Bosnien-Herzegowina, die sich zum schwersten Konflikt auf dem Balkan ausweiteten. Serbien und Kroatien meldeten Gebietsansprüche in Bosnien-Herzegowina an.

Im Land kämpften die verschiedenen Interessengruppen um Einfluss, und selbst Aktionen der internationalen Staatengemeinschaft konnten keine Besserung herbeiführen. Es kam zudem zu ethnischen Säuberungen und schweren Ausschreitungen gegen die Zivilbevölkerung. Immer mehr Flüchtlinge verliessen das Land, und so rückte dieser Konflikt immer mehr in den Focus des Weltgeschehens.

Das vorläufige Ende der Kampfhandlungen kam 1995, als der Friedensschluss von Dayton ausgehandelt wurde. Hierbei wurden die beiden Entitäten Bosnien-Herzegowina und die Republik Srpska gegründet, die beide dem Staat Bosnien-Herzegowina angehören. Dieser Friedensschluss wurde durch die Mithilfe europäischer Staaten und den USA erreicht.

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